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Der Geschäftsführer der Loveparade soll zahlen

Aktualisiert (Freitag, den 22. April 2016 um 09:22 Uhr)


Über drei Jahre nach der Katastrophe auf der Loveparade in Duisburg, bei der 21 Menschen starben, verklagt die Bochumer Rechtsanwältin Bärbel Schönhof den Geschäftführer der Lopavent auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Gegen mehrere Mitarbeiter des Unternehmens, das die Loveparade geplant und umgesetzt hatte, ermittelte bereits die Staatsanwaltschaft. Ende Januar soll voraussichtlich Anklage gegen mehrere Beschäftigte erhoben werden. Geschäftführer Rainer Schaller blieb bisher außen vor. Rainer Schaller hatte in seinen Zeugenaussagen zu Protokoll gegeben, dass er mit der Realisierung der Loveparade nicht betraut gewesen sei. Strafrechtlich konnte er deshalb für die Katastrophe nicht zur Verantwortung gezogen werden. Doch genau diese Unwissenheit ist laut Rechtsanwältin Bärbel Schönhof zivilrechtlich relevant: „Wenn jemand bekannt gibt, dass er keine Informationen hatte und sich auch keine beschafft hat, er also von nichts wusste und deshalb auch nicht eingreifen konnte, dann ist das zivilrechtlich durchaus ein Haftungstatbestand. Auch als Veranstalter oder Geschäftsführer einer Firma muss man sich in der Regel informieren, was die eigene Firma macht und in welchem Umfang sie welche Risiken eingeht.“

 

„Die Bilder im Kopf werden mich ewig begleiten.“

Rund 30 Mandanten hat Schönhof, die bisher unterschiedliche Vergleichsangebote vom Versicherer der Lopavent bekommen haben. Thorolf Schmidt ist einer von ihnen. Der 41-Jährige Unternehmer wurde auf der Loveparade schwer verletzt. Mehrere Muskelstränge von seinem Arm bis zum Genick wurden abgerissen. Außerdem leidet er noch heute unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Die Versicherung AXA bot ihm zum Ausgleich 5.000 Euro an, wenn er unterschreibt, dass er danach keine Ansprüche mehr geltend machen kann. „Das ist eine Lachnummer. Bei so einem Verlust kann das nicht sein. Ich habe durch mehrere OPs viele Aufträge verloren. Bei einer Summe von 120.000 Euro habe ich aufgehört zu zählen. Ich werde mein Leben lang mit einem Arm rumlaufen, den ich nicht richtig bewegen kann und auch die Bilder im Kopf werden mich ewig begleiten“, kommentiert Thorolf Schmidt das Angebot. Er ist fassungslos. Wie ihm geht es vielen. Auch jede vierte Frau betroffen

Hätte Schaller eingreifen müssen?

Bei den meisten Betroffenen geht es nicht in erster Linie um den finanziellen Ausgleich. „Es geht vielmehr um Gerechtigkeit. Jemand wie Rainer Schaller trägt als Veranstalter nach unserem Ermessen eine Mitverantwortung und deshalb ist es uns wichtig, dass auch er zur Rechenschaft gezogen wird“, sagt Jörn Teich, Sprecher der Initiative LoPa 2010 (Loveparade 2010, Ergänzung der Redaktion). Rechtsanwältin Bärbel Schönhof, der die Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft vorliegen, geht sogar noch weiter. Sie meint, es wäre Rainer Schallers Pflicht gewesen einzuschreiten und das habe er ganz klar versäumt: „Er hat gewisse Informationen gehabt, dass es zu Schwierigkeiten kam, auch im Vorfeld der Planung, dass es Diskussionen gegeben hat, die über das übliche Maß hinaus gingen. Er hätte an diesem Punkt sagen müssen, hier muss ich eingreifen, hier muss ich mir Informationen verschaffen. Und wenn das Risiko zu groß ist, dass Menschen zu Schaden kommen, dass Menschen sterben oder sich erheblich verletzen, dann hätte er notfalls auch die Veranstaltung absagen müssen.“

Verjährungsfrist droht

Bärbel Schönhof rät Betroffenen, die noch Ansprüche geltend machen wollen, sich dringend an einen Anwalt, an den Ombudsmann der Loveparade Jürgen Widera oder an die Initiative LoPa 2010 zu wenden. Denn drei Jahre nachdem Schädiger und Schaden bekannt sind, können erste Ansprüche verjähren. Besonders pikant: Rainer Schaller hat ausgerechnet am 3. Jahrestag der Katastrophe, nämlich am 24.07.2013 ein neues Unternehmen gegründet. Das Ziel der RS Real Estate GmbH ist, laut Eintrag im Handelsregister, „die Verwaltung eigenen Vermögens sowie die Beteiligung an anderen Gesellschaften“. Bärbel Schönhof sieht das als Ohrfeige ins Gesicht der Betroffenen. Rainer Schaller selbst wollte sich zu der Klage nicht äußern. Sein Sprecher ließ ausrichten, er kommentiere nichts, worüber er noch nichts wisse. Bärbel Schönhof wird die Klage noch in diesem Jahr rausschicken. Dann muss ein Gericht entscheiden, ob und in welchem Umfang Rainer Schaller für die Betroffenen der Loveparade Katastrophe zahlen muss. Mehr zu den Hintergründen heute Abend um 19.30 Uhr in der Lokalzeit Duisburg.


Quelle: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, Sendung vom 28.11.2013